Aktuelle Mitteilungen des Landesanglerverbandes
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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SVZ: „Als würde der See kochen“ - Kormorane jagen in Schwerin - Angler fordern „Eingriff“

Schwerin/ Görslow, den 30.09.2019

„Als würde der See kochen“

Mehr als 500 Kormorane jagen täglich im Neumühler See / Angler fordern „Eingriff“ / Naturschützer warnen vor „Emotionalisierung“

Katharina Hennes Schwerin Den letzten großen Beutezug hat Günter Otto von seinem Ruderboot im Schilf aus beobachtet. „Die Vögel kreisten wie ein riesiges Fischernetz über dem See“, erzählt er. „Dann plötzlich ließen sie sich fallen. Die einen schlugen wild mit den Flügeln auf das Wasser. Die anderen tauchten ab. Das Wasser brodelte. Es war als würde der See kochen.“ Das wilde Rauschen war hoch bis zur Siedlung am Touristenweg in Friedrichsthal zu hören. Keine viertel Stunde dauerte das Schauspiel mitten auf dem Neumühler See. Dann löste sich der schwarze Pulk auf und ließ Spaziergänger am Ufer fragend zurück. Was war das? Kormorane. „Fünfhundert. Mindestens“, schätzt Florian Ehmcke. Der Angler aus Wittenförden war vorgestern auf dem See, als die Kormorane auf Jagd gingen. „Sie fressen alles. Kleine Hechte, Barsche, Maränen, Rotfedern“, sagt Ehmcke. „Und sie fressen mehr als sie bei sich behalten können.“ Er konnten zusehen, wie die Fische aus den Schlunden der Kormorane zurück ins Wasser plumpsten. Zweihundert tote zerfetzte Fische hatten er und sein Anglerkollege an der Oberfläche gezählt.

Die Berichte ähneln sich. Von einem Fischer aus Schwerin wissen die Wittenfördener, dass dieses Jahr bis zu 3000 Kormorane am Schweriner See gesichtet wurden. Auf den Kirchstücker See fahren manche Angler gar nicht mehr hinaus. „Das kann man vergessen“, erzählt Heiko Meinhardt. In dem kleinen Gewässer jagen seit Ende August etwa 60 Kormorane. „Wenn man bedenkt, dass jeder Kormoran locker ein halbes Kilo Fisch am Tag frisst, kann man sich ausrechnen, dass nicht mehr viel übrig bleibt.“ Er hält die jährlich wachsende Population für eine „Katastrophe“ und wünscht sich ein „kon-trolliertes Eingreifen“. So wie es vor dreißig Jahren üblich war: „Da reichte ein Anruf beim Jagdkollektiv und fertig.“

Vor dreißig Jahren – „da war der Kormoran noch unser Freund“, sagt der Wittenfördener Günter Otto. „Da haben wir uns gefreut, wenn wir mal einen zu Gesicht bekamen.“ Seit 54 Jahren angelt der 81-Jährige im Neumühler See. „Wir hatten hier mal den besten Aalbesatz überhaupt“, erzählt er. Vor fünf Jahren etwa sei die Zahl der Kormorane am Neumühler See dann explodiert. Aale gibt es heute kaum noch. Etwa fünf Zentner Fisch holen die Kormorane täglich aus dem Neumühler See, schätzt Günter Otto. Er habe nichts gegen die Vögel. „Nur fünfhundert davon sind einfach zu viel.“

Spätestens, wenn der See friert, ziehen die Vögel weiter Richtung Süden und hinterlassen am Nordwestufer des Neumühler Sees eine weiße Wand voll verkoteter Bäume. Der Angler zeigt auf eine Bucht weiter westlich. „Dort waren sie letztes Jahr. Ein paar Bäume haben sich wieder erholt. Ein paar sind eingegangen.“

Fakt ist: Der Kormoran gehört EU-weit zu den geschützten Vogelarten. „Wir müssen aufpassen, dass die Diskussion nicht zu emotional wird“, sagt der Ornithologe Ulf Bähker vom Naturschutzbund. Der Kormoran leide unter einem Imageproblem. „Weil er schwarz ist und ein reiner Fischräuber, dem man beim Fressen zusehen kann.“ Als heimischer Vogel habe er aber ein Recht darauf, hier auch seinen Anteil zu kriegen. „Was heißt schon zu viele Fische, wenn die Natur es hergibt“, sagt Bähker. Er könne den Ärger der Angler zwar nachvollziehen. Aber einen Eingriff in die Natur durch Abschüsse sieht er kritisch. Bei fischereiwirtschaftlichen Schäden sei das etwas anderes, so Bäker. „Wenn Kormorane an Fischereianlagen oder Zuchtteichen jagen, dann muss man eingreifen.“ Der Präsident des Landesanglerverbandes Karl-Heinz Brillowski sieht die Politik in der Pflicht: „Wir wollen ja keinen Vernichtungsfeldzug ausrufen“, sagt er. „Aber wir fordern eine Reduzierung der Kormorane wieder auf ein verträgliches Maß.“

SVZ, Katharine Hennes


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