Stiftung Natur und Umweltschutz will Areal einer ehemaligen Fischzucht umgestalten – dagegen regt sich Widerstand

Frank Liebetanz

Zwei Seeadler kreisen über einem der beiden Karpfenteiche der ehemaligen Fischzucht in Glave, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Dobbin-Linstow. Frösche quaken laut, ein Schwanenpaar mit Küken sucht das Weite. Die Natur hat sich dieses Gebiet auch mit reichlich Schilf zurückgeholt. Doch diese Entwicklung könnte bald vorbei sein, denn die Stiftung Natur und Umweltschutz MV will den Zufluss aus dem Fluss Nebel kappen. Stattdessen wird das ganze Wasser künftig für eine Fischtreppe benötigt. Sie soll für den Aufstieg von Fischen und anderen Tieren bald den Weg gegen die Strömungsrichtung frei machen. Nun regt sich aber Widerstand gegen die Planung, denn die beiden Teiche könnten bereits ein Biotop und damit schützenswert sein.

Die geplante Fischtreppe in Glave soll die letzte Lücke der Renaturierung der gesamten Nebel schließen. Nach der Fertigstellung könnten Fische aus dem Krakower Obersee in Richtung Linstower See aufsteigen. Die Fischtreppe benötige vor allem im Sommer das ganze Wasser aus der Nebel, sagt Björn Schwake, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umweltschutz MV. Sie plant das Projekt, das mindestens eine sechsstellige Summe kosten wird.
Becken und Teiche der Fischzucht werden seit den 1960er-Jahren über einen so genannten Bypass aus dem Mühlenteich, in den die Nebel fließt, auf der anderen Straßenseite gespeist. Der alte Durchlass für den früheren Betrieb soll gekappt werden, ein neuer das Wehr unter der Straße ersetzen und dahinter die Fischtreppe im natürlichen Verlauf angelegt werden. Dafür wird ein Teil des ehemaligen Fischzucht-Geländes benötigt.
Das war Wilfried Baldermann (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Dobbin-Linstow, bewusst. Er fragt aber nun wegen der wichtigen Biotope, die dort entstanden sind: „Macht es Sinn, diese wunderschönen, zwei Hektar Karpfenteiche zurückzubauen?“ Auch Tierarzt Dr. Bernd Linke aus Güstrow spricht sich gegen die bisherige Planung aus: „Die Teiche haben eine hohe Biodiversität.“ .

Der Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umweltschutz MV betont die Bedeutung der Fischtreppe: Seit vielen Jahren habe sich das Staatliche Amt für Landschaft und Umweltschutz um die Wasserrechte der Fischzucht bemüht, weil „dies bei der Renaturierung der Pfropfen in der Mitte des Nebel-Verlaufs“ gewesen sei. Nach einem Gutachten habe die Flächenagentur, eine Stiftungstochter, die Wasserrechte und einen Großteil des Grundstücks gekauft, so Schwake.

Den vorderen Teil des Grundstücks, etwa zwei von insgesamt 14 Hektar, erwarb die Gemeinde Dobbin-Linstow. Sie kam auch wegen der Fördergelder mit ins Boot.

„Die Teiche sind zum Tod verurteilt, weil wir kein Wasser mehr dafür haben“, erklärt Schwake. Sie seien nicht einmal 30 Zentimeter tief und die Dämme so weich, dass sie brechen könnten. Die Natur solle weiterhin freie Bahn haben. Das bedeute, dass die Teiche mal Wasser haben könnten und zu anderen Zeiten nicht. „Wir schieben die Teiche nicht zu.“

Schwake verweist auf weitere Aspekte, warum dieses Projekt wichtig ist: Erstens sei es eine Ausgleichsmaßnahme für die Ortsumgehung Mirow, zweitens sei die Maßnahme mit allen Beteiligten vor zwei Jahren abgesprochen worden. „Wir waren die einzigen, die eine Lösung für dieses Problem hatten“, schildert er.

Vielleicht können die Teiche aber doch noch gerettet werden. Ralf Koch, Chef des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide, hat gleich drei Vorschläge: Wasser aus dem benachbarten Obersee könnte in die Teiche zurückgepumpt, aus der Nebel entnommen oder drittens aus Grünflächen und Äckern über einen Graben genutzt werden.
Als erfolgreichste Variante erscheint Koch ein Graben, der das Nass aus der Umgegend den Teichen zuführt.