Der Landesangelverband MV verzeichnet steigende Zahl an Petrijüngerinnen.

Schwerin | Fischende Frauen sind immer noch eine Seltenheit – auch in Mecklenburg-Vorpommern, dem Anglerparadies Nr. 1. Jeder, der am Ufer von See und Ostsee entlang spaziert oder mit dem Boot übers Wasser tuckert, kann sich davon überzeugen: Diejenigen, die da ihre Angel auswerfen, sind meistens Männer.

Thomas Richter vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) schätzt den Anteil der angelnden Frauen auf weniger als zehn Prozent. Konkrete Zahlen gebe es aber nicht.

„Zu DDR-Zeit hatten wir definitiv mehr angelnde Frauen“, ist Fred Blumberg, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes SN-Stadt e.V. überzeugt. „Zurzeit gibt es kaum Anglerinnen in unserem Verein. Hingegen kann ich mich an 15 Anglerinnen erinnern, die vor der Wende in meinem damals 60 Mitglieder starken Verein waren.“

Ganz so trübe sieht es allerdings nicht aus. Viele Frauen sind zwar nicht im Verein, gehen mit ihren Partnern aber dennoch gern zum angeln. Das hat die Schweriner Hobbyanglerin Elke Kortschlag beobachtet. Sie unternimmt selber seit Jahren Angeltouren mit Freundinnen. „In meinem Bekanntenkreis gehen viele Frauen mit ihren Männern angeln“, erzählt sie. „Einige von ihnen haben inzwischen ihren Fischereischein in der Tasche. Als ich 2011 meinen Kurs gemacht habe, waren auch schon ein paar Mädels dabei.“

Dass es mehr angelnde Frauen gibt, als viele denken, bestätigt Claudia Thürmer vom Landesangelverband MV. „Zwar führen auch wir keine Statistik darüber, wie viele Frauen und wie viele Männer unserem Verband angehören, aber wir beobachten doch eine wachsende Zahl an Petrijüngerinnen. Ihr Anteil steigt ähnlich wie bei den Jägerinnen. Unser Landesanglerverband hat zum Beispiel eine Vizepräsidentin.“

Und seit ein paar Jahren nimmt auch Claudia Thürmer selbst gern die Angel in die Hand. Als sie 2015 als Pressesprecherin beim Landesanglerverband anfing, wollte sie einfach wissen, worüber sie redet. Wie ist es, mit der Angel auf dem Boot zu stehen? Einen Köder an den Haken zu bringen? Den zappelnden Fisch in den Händen zu halten? Während sie ihren Fischereischein machte, dachte sie noch bei sich: „Na, ob das was für dich ist? Du bist so ein unruhiger Geist, willst immer unterwegs sein.“ Doch dann war sie begeistert. „Es ist ein wunderbares Hobby, um runterzukommen“, schwärmt sie. „Um Abstand vom Alltag zu bekommen, den Stress im Job zu vergessen. Beim Angeln kannst du die Natur in vollen Zügen genießen und so ein selbst gefangener Fisch schmeckt einfach viel besser als der aus dem Supermarkt. Ich möchte das Angeln nicht mehr missen.“

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Anja Bölck, SVZ