Kathrin Neumann

Mit dem kleinen Kescher holen Peter Höffler (r.) und Andreas Timm die jungen Aale aus der Kiste, um sie bei Tewswoos in die Rögnitz zu setzen.

Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht. Am Versuch seiner Rettung beteiligt sich auch der Anglerverein „Rögnitztal“ Tewswoos.

Tewswoos | Peter Höffler und Andreas Timm hieven die braune Kiste aus dem Kofferraum und öffnen den Deckel.

Hunderte kleine Aale winden sich darin um- und übereinander. „Sie alle sind etwa zweieinhalb Jahre alt“, erklärt Gewässerwart Höffler. Sie sollen jetzt in ihre neue Heimat – die Rögnitz bei Tewswoos – entlassen werden.

Hinter ihnen liegt schon ein langer Weg. Ein sehr, sehr langer Weg. Der Angelverein „Rögnitztal“ Tewswoos beteiligt sich an einer Fischbesatzaktion des Landesanglerverbandes M-V e.V.

Dabei werden allein im Bereich des Regionalanglerverbandes Süd-West-Mecklenburg rund 80 kg Aal in verschiedene Gewässer gesetzt.

„In die Rögnitz und die Sude, in Hagenow in die große Kuhle, die Nordische und den Mühlenteich sowie in den Probstjesaer See.“, erklärt der Vorsitzende Jörg Icker.

Neun Vereine, unter anderem auch „Früh auf“ Hagenow und der Anglerverein „Redefin“ sind daran beteiligt. 80 kg, das sind rund 10.000 kleine Aale. „Einer wiegt so 7-10 g“, erklärt Peter Höffler, der Gewässerwart des Tewswooser Vereins.

Im Alter von anderthalb bis zwei Jahren seien die Fische aus Frankreich gekommen, um hier in einer Aufzuchtstation weiter heran zu wachsen. Aus rund 3 cm Länge wurden 15-20 cm.

Andreas Tim, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Rögnitztal“ und Peter Höffler tragen die Kiste ans Ufer der Rögnitz.

Mit einem kleinen Kescher fasst der Gewässerwart den ersten Schwung Aale und lässt sie langsam in das kalte Wasser gleiten. Noch gar nicht lange im Wasser, schlängeln Sie sich sofort davon. „12-15 Jahre werden die alle nun im Süßwasser bleiben“, erklärt Peter Höffler.

„Wenn sie geschlechtsreif sind ziehen Sie in die Sargassosee, um dort zu laichen“, ergänzt Andreas Timm. Es sei denn, sie gehen an eine Angel, werden von Raubfischen gefressen oder von einem Kormoran geholt.

„Der Kormoran ist unser größter Feind er richtet großen Schaden an und gehört nicht hierher.“ Aale pflanzen sich offenbar nur in der Sargassosee, einem Meeresgebiete östlich von Florida, fort.

„Aber beim Aal ist vieles noch nicht erforscht“, so Timm. Kurz nach dem Schlüpfen aus dem Ei beginnen die Aallarven ihren Weg nach Europa. Sie treiben mit dem Golfstrom. Vor den europäischen Küsten verwandeln sich die Larven in Glasaale, eine teure Delikatesse. „1 kg kann bis zu 1000 Dollar kosten“, sagt Peter Höffler, Mitbegründer des Vereins „Rögnitztal“. „Deshalb werden sie in Frankreich auch schwarz ab gefischt. Der europäische Aal ist inzwischen vom Aussterben bedroht.

Dazu haben auch die Umgestaltung der Flüsse für die Schifffahrt und der Bau von Sperrwerken beigetragen. Um die Gewässer wieder durchgängig zu machen, habe die Europäische Union in den vergangenen Jahren aber viel unternommen, so Andreas Timm.

Mit EU-Mitteln seien vieler Orts Sohlgleiten als Fischaufstiege gebaut worden. An manchem Projekt waren auch die Tewswooser Angler beteiligt. „In Niendorf haben wir zum Beispiel am mittelt, was für Fische in der Rögnitz leben“, so der Tewswooser. Die Beiden stellen noch die halbvolle Kiste wieder ins Auto. Die andere Hälfte der kleinen Aale sollen an der zweiten Aussatzstelle des Vereins bei Wosmerhof ins Wasser kommen. Auch diese Besatzaktion wird von der EU gefördert, um den europäischen All zu retten.

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Quelle: https://www.svz.de/32154632 ©2021