am Flusslauf Ob auf der Ostsee, am Ufer eines der wunderschönen Seen oder am Flusslauf in Ruhe und Abgeschiedenheit – Angeln in M-V ist angesagt. Foto: LAV, Claudia Thürmer

von Sebastian Lohse, SVZ –

Marteria und Heinz Galling sind zwei der berühmtesten Angler aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie und verraten, was sie am Angeln in MV fasziniert.

„Mecklenburg-Vorpommern ist das Anglerland Nummer eins in Deutschland.“ Das stellte MVs Umweltminister Till Backhaus bei den diesjährigen Fishing Masters in Rostock klar. Recht geben ihm nicht nur die vielen Teilnehmer beim größten Angel-Event bundesweit.

Mehr als 150.000 Angler im dünn besiedelten MV

Allein die landschaftlichen Voraussetzungen machen den Nordosten zu einem wahren Paradies für Petrijünger. 1700 Kilometer Küste, 40.000 Kilometer Fließgewässer und mehr als 2000 Seen bieten eine beangelbare Fläche von zirka 29.000 Hektar. Kein Wunder also, dass laut Umweltministerium etwa 153.000 Mecklenburger und Vorpommern Angler sind.

Das Interesse sei in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen, erklärt Claudia Thürmer vom Landesanglerverband MV (LAV). „Gerade in Corona-Zeiten hat das Angeln Menschen eingesammelt. Draußen in der Natur zu sein, jeder ganz von selbst mit dem erwünschten Abstand, damit die Ruten und die Köder sich nicht verheddern und mitten in der herrlichen Natur MVs. Das war ein Selbstläufer.“

Marteria und seine Leidenschaft

Unter ihnen sind auch einige Promis zu finden. Zu den bekanntesten Petrijüngern aus dem Nordosten zählt Marten Laciny alias Marteria. Der Rostocker Musiker nutzt Angeln für den Stressausgleich. Der aus Rostock stammende Rapper Marteria ist leidenschaftlicher Angler.

„Wenn du morgens rausfährst und die Sonne aufgeht und das Leben erwacht – das ist ein ziemlich geiles Gefühl“, sagte der 39-jährige Rapper kürzlich in einem dpa-Interview. „Es ist irgendwie so ein Moment, wo man Teil von allem ist und nicht Teil von der Gesellschaft oder Teil von einem System ist, sondern Teil der Welt.“ Für ihn als Hansestädter liege es zudem „in der Identität“. In den sozialen Medien zeigt er sich regelmäßig bei seinem Hobby.

Volkssport Nummer eins

Angeln ist in Mecklenburg-Vorpommern ein regelrechter Volkssport. Etwa 600 Vereine gibt es im Nordosten. Von den rund 1,7 Millionen Einwohnern sind allein 45.801 Mitglied im Landesanglerverband MV.

„Das ist ein deutlicher Zuwachs in den letzten beiden Jahren. Immerhin 1500 Petrijünger haben den Weg in die organisierte Anglerschaft gefunden“, erklärt LAV-Sprecherin Claudia Thürmer. Der Verband ist der größte gesetzlich anerkannte Naturschutzverband des Landes. Neben der Hege von Fischen gehört ebenso die Pflege der Gewässer dazu.

Heinz Galling zog es von der Wakenitz an den Schweriner See

Das ist auch Heinz Galling ein Anliegen, ein weiterer Angel-Promi aus MV. Der Erfinder und Moderator der beliebten NDR-Sendung „Rute raus, der Spaß beginnt“ lebt seit einigen Jahren am Schweriner See und hat sein Revier direkt vor der eigenen Haustür. Nach einem stressigen Tag fährt er gern mit dem Boot raus und geht auf Raubfischjagd. „Es ist eines der interessantesten und schönsten Gewässer in Deutschland. Man kann hier die größten Barsche und Hechte fangen. Das ist schon ein Privileg, hier leben zu können.“

Sein Lieblingsrevier ist jedoch die Wakenitz, weil er damit Kindheitserinnerungen verbindet. Der 1960 geborene Galling angelt, seit er fünf Jahre alt ist. Anfangs mit seinem Opa. Er hat aber auch einen Lieblingsfluss in MV: die Stepenitz bei Dassow. „Die ist traumhaft. Da kann man richtig große Bachforellen, Meerforellen und Döbel fangen.“

„Die spannendste Langeweile“

Für Heinz Galling steht fest: „Angeln ist die spannendste Langeweile. Von einer Sekunde auf die nächste kann man vom Tiefschlaf in die Ekstase rutschen.“ An einen Fang erinnert er sich noch besonders. Ein Hornhecht am Rassower Strom auf Rügen mit einer Länge von fast 80 Zentimetern. „Ich dachte, ich habe einen Mini-Schwertfisch an der Angel. Der machte ordentlich Rabatz“, sagt der gebürtige Lübecker stolz.

Man sollte als Angler ein Naturfreund sein, so Heinz Galling. Die Natur zu genießen gehöre ebenso dazu wie der respektvolle Umgang mit Tier und Umwelt. MV sei daher auch seiner Ansicht das Angelland schlechthin.

Die Schönheit, die das Land bietet, könne zudem Entschädigung für die Leidensfähigkeit eines Petrijüngers sein. Denn auch hierzulande gilt: „Die meisten Tage sind Schneidertage. Das ist schon was Besonderes, wenn man einen schönen Speisefisch fängt“, erklärt der erfahrene Profi. Dafür gebe es nichts Nachhaltigeres, als den eigenen Fang zuzubereiten und zu essen. „Man sollte sich dabei auch mal über Rotauge und Plötz freuen. Denn frisch gebraten in der Pfanne schmecken die wunderbar.“

Fischereischein und Anglererlaubnis sind Pflicht

Wer das selbst probieren möchte, braucht einen Fischereischein. Dieser ist Pflicht, ansonsten kann es teuer werden. Wer ohne angelt, begeht nach Landesfischereigesetz eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld in Höhe von 200 Euro rechnen. Der Einsatz von Harpunen, Gift oder Sprengstoff beispielsweise kann in MV mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.

Neben einem Fischereischein wird zusätzlich eine Anglererlaubnis für das jeweilige Gewässer benötigt. Bei der Vielzahl an Möglichkeiten im Nordosten sollte sich vorher gut überlegt werden, wo geangelt werden soll. Denn bereits vor dem Ausflug sollte eine Erlaubnis vom Eigentümer oder Pächter eingeholt werden. Wenn beide Genehmigungen vorliegen, steht einem Tag am oder auf dem Wasser nichts mehr im Wege.

Jährlich rund 100 Angler treffen sich zum „Pfaffenteich-Angeln“. 200 Kilogramm Fisch für den Schweriner Zoo kommen da zusammen. Am 4. Juni 2022 starten die Petrijünger zum 32. Angelevent in der Landeshauptstadt, unterstütztz von der BiMES und der Stadt Schwerin. Foto: LAV Archiv

Petri Heil im Paradies!

Eine Antwort, die immer wieder von Anglern hierzulande gegeben wird, ist die Vielfalt an Gewässern, die den Nordosten zu einem einzigartigen Angler-Spot macht. „MV als das Anglerparadies zu bezeichnen ist vollauf berechtigt“, sagt Claudia Thürmer vom LAV. „Bei uns zu angeln ist jederzeit ein guter Plan. Bei jedem Wetter eben. Das hält jung und gesund.“ Da bleibt eigentlich nur noch zu wünschen: Petri Heil im Anglerland Nummer eins!

Quelle und LINK: https://www.svz.de/deutschland-welt/mecklenburg-vorpommern/artikel/warum-mv-auch-fuer-profis-wie-heinz-galling-anglerland-nr-1-ist-42017792