Renaturierung der Boize
Foto: Bürgermeister Harald Jäschke, Minister Till Backhaus und LAV-Präsident Bernd Dickau (v.l.)

Für fast eine Million Euro ist eine weitere Hürde bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinien genommen worden.

Boizenburg | Jetzt gehört die Boize wieder der Natur. Freudige Gesichter waren zu sehen und viel Lob war zu hören, als der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, in Boizenburg betrachtete, was viele Akteure das Jahr 2020 beschäftigte. Stadt und das umsetzende Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) hatten Verbesserungen der ökologischen Durchgängigkeit des Flüsschens Boize in Angriff genommen. Damit ist die möglichst ungehinderte Wanderung von Fischen und wirbellosen Kleinlebewesen stromauf und stromab gemeint.

An sechs Stellen – rund um die Boizenburger Altstadt verteilt – hat die ausführende Firma „HTS Müritz“ dafür mit schwerem Gerät in den Flusslauf eingegriffen. Und das Ergebnis kann sich nach Meinung aller Beteiligter sehen lassen.

Angler, Bürgermeister, Minister und auch die Mitarbeiter des Stalu waren sich einig: Hier ist etwas Gutes geschehen. Nur wegen dieser positiven Einschätzung ist die groß angelegte Maßnahme, deren Kosten sich auf rund eine Million Euro belaufen, allerdings nicht angeschoben worden. „Vor zwölf Jahren wollten die Angler in diesem Gewässer mehr Fische haben und kamen auf uns als Stadt mit der Aufforderung zu, dass an der Boize etwas geschehen müsse“, erinnert sich Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke an den Anstoß, der den Stein schließlich ins Rollen brachte.

Es gibt noch viel zu tun 

Alleine um das Fischerglück ging es hierbei jedoch von vornherein ebenfalls nicht. Dies betonte Till Backhaus. Der Minister brachte sogleich die europäische Wasserrahmenrichtlinie ins Spiel. Bis zum Jahr 2027 sollen in deren Zuge die Gewässer in der gesamten EU so geschützt und erhalten oder zumindest so entwickelt werden, dass sie ihre Funktionen für den Menschen und die Natur erfüllen können. Backhaus bezeichnete dies als ehrgeiziges Ziel: „Denn alleine hier bei uns müssen mehr als 200 große Seen und über 8000 Kilometer Fließgewässer, das Grundwasser und das Küstenmeer bis spätestens 2027 die strengen Kriterien der Wasserrahmenrichtlinie erfüllen“, nannte der Minister ein paar Zahlen. Aktuell befänden sich 21 Prozent der berichtspflichtigen Seen und vier Prozent der Fließgewässer in einem guten ökologischen Zustand.

Wiedergutmachung steht an 

Die Boize ist demnach nur ein kleiner Punkt auf einer langen Liste, die es noch abzuarbeiten gilt. Beim Blick auf die Zahlen solle dies das nun Erreichte allerdings nicht schmälern. „Wir haben eine ganze Menge wiedergutzumachen. Und ein solches Projekt ist diese Maßnahme“, unterstrich Till Backhaus. Er blickte dabei auf Eingriffe in der Vergangenheit, die auch den Lauf der Boize auf ihren 30 Kilometern vom westlichen Ende des Schaalsees bis zu ihrer Mündung in die Elbe zum Teil sehr begradigten. Der Hochwasserschutz, der durch die Auflösung solcher Begradigungen erhöht wird, spiele dabei auch eine entscheidende Rolle.

Schon einmal wurde deswegen Hand an den Fluss gelegt, als in den Jahren 2017 und 2018 auf 1,7 Kilometern die ökologische Sanierung der Boize bei Gresse erfolgte. Und es soll nicht der letzte Eingriff gewesen sein.

„Für das Schöpfwerk in Boizenburg laufen derzeit die Planungen zur Optimierung der ökologischen Durchgängigkeit“, gab Till Backhaus einen Ausblick in die Zukunft. Ein Projekt, das wieder viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen wird, am Ende aber auch für viel Freude bei der gesamten Bevölkerung sorgen soll. Denn, und das betont Backhaus immer wieder: „Wasser ist Leben.“

SVZ, Sascha Nitsche