Pandemie treibt Angler an die Seen / Größter Mitgliederzuwachs seit Jahren

Rute raus: Die Corona-Krise hat in MV so viele Angler an die Seeufer getrieben wie seit Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der neuen Mitglieder in den Anglervereinen im Land auf einen Höchststand gestiegen.

Zu den etwa 45 000 Mitgliedern seien allein 600 neu, vor allem auch junge Angler hinzugekommen, erklärte der neue Präsident des Landesanglerverbandes Bernd Diekau – so viel wie seit Jahren nicht mehr. Viele hätten sich in der Zeit von Homeoffice und Corona-Beschränkungen aufgerafft, einen Fischereischein zu machen und Angelberechtigungen für die insgesamt 28 000 Hektar großen Angelgewässer im Land zu beantragen, darunter allein für die 8000 Hektar der 617 eigenen oder gepachteten Gewässer des Landesanglerverbandes. Auch außerhalb der Vereine ist der Angelboom ungebrochen: Im vergangenen Jahr sind in Mecklenburg-Vorpommern allein 120 000 Angelerlaubnisse für Binnengewässer ausgegeben worden, ermittelte das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock – der höchste Stand seit fast zehn Jahren. MV gelte als das gewässerreichste Bundesland – „beste Bedingungen für Angler wie in keiner anderen Region in Deutschland“, meinte Diekau.
Auf Druck der EU soll das Wasserrevier in MV in den kommenden Jahren noch weiter attraktiver und die Wandermöglichkeiten von Fischen verbessert werden. Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie müssten alle Fließgewässer bis Ende 2024 durchlässig gemacht werden, um einen freien Fischzug zu sichern, erklärte Angler-Präsident Diekau. Davon ist MV allerdings noch weit entfernt. Nicht einmal fünf Prozent der 18 000 Kilometer langen Fließgewässer sind bisher in einem guten, 20 Prozent aber noch immer in einem schlechten Zustand, geht aus der Gewässerstudie der Naturschutzorganisation WWF hervor. So wird der Fischzug derzeit nach Angaben des Umweltministeriums durch mehr als 13 400 sogenannte Querbauwerke wie Durchlässe, Stau- und Wehranlagen, Schleusen oder Wasserkraftanlagen behindert. Rein rechnerisch hemme im Land etwa alle 600 Meter ein Querbauwerk die Wanderbewegung der Fische, hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) vor Kurzem erklärt: „Der beste Wohnraum hilft nicht, wenn die Fische ihn nicht erreichen können.“ Nach den EU-Regeln müssten in den kommenden drei Jahren die Sperren umgebaut und die Durchlässigkeit entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie durch Fischtreppen, Lockströmungen oder auch durch den Rückbau von Meliorationsanlagen wieder hergestellt werden, forderte Dickau. Es sei aber zu befürchten, das der Investitionstermin nicht gehalten werden könne.

Torsten Roth, SVZ