Aktuelle Mitteilungen des Landesanglerverbandes
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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LAV:"Rettet den Europäischen Aal"-Aktiver Naturschutz des AV „Rögnitztal Tewswoos“ e.V.

Tewswoos/ Görslow, den 18.08.2017

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Rettet den Europäischen Aal - Aktiver Naturschutz des AV „Rögnitztal Tewswoos“ e. V.

An einem späten Juniwochenende war beste Zeit für unsere Naturschutzarbeit, die Rögnitz, die Aalpopulation in ihr und eine gute Zeit auch für uns Angelfischer. Doch der Reihe nach. Es ging um den erneuten Besatz von vorgestreckten Aalen in die Rögnitz. Diese Maßnahme soll, wie auch schon die letzten Jahre, weiter sicher stellen, dass der in seinem Bestand stark zurück gegangene Europäische Flussaal (Anguilla anguilla) eines Tages wieder vermehrt in der Rögnitz zu finden sein wird. Diese Aktion des AV „Rögnitztal Tewswoos“ e. V. wurde bei besten Bedingungen durchgeführt von den beiden Gewässerwarten Peter Höffler, Heinz Warnke begleitet vom Schriftführer Ulrich Heeren. Nach in Augenscheinnahme der angelieferten Aale wurden gut 12 kg in die Transportbehälter abgefüllt und an verschiedenen Stellen in den durch unseren Verein betreuten Gewässerverlauf der Rögnitz sowie ein kleinerer Teil auch in unsere Vereinsteiche eingesetzt. Die Menge setzte sich zusammen aus 7 kg gestellt durch den Landesanglerverband, 3 kg durch den Verkauf der Aalaktie und weiteren 2 kg durch die Bestellung unseres Vereines. Die Fische befanden sich in einem sehr guten Zustand und konnten ohne Probleme in die Gewässer überführtwerden.

Wir wollen hoffen, dass der Bestand dieser katadromen Wanderfische (d.h. der Fisch wandert zum Laichen in das Salzwasser ab) sich in einigen Jahren schon wieder in einer besseren Lage befindet. Die Jungtiere verbleiben nun mehrere Jahre über das Stadium des Gelbaals in unseren Flüssen bevor sie als Blankaal abwandern, in die Flussmündungen aufsteigen und von dort die enorme Leistung der Wanderung entgegen des Golfstroms in die Sargassosee vor der Mexikanischen Küste antreten. Dort laichen die adulten Tiere in einer Tiefe von ca. 400 m und bei ca. 17 Grad Wassertemperatur ab und verenden anschließend. Die Larven, die aus den Eiern schlüpfen, wandern nun mit Unterstützung des Golfstroms in umgekehrter Richtung über 3 Jahre hinweg wieder zu den europäischen Küsten an die Flussmündungen. Die Larven werden wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Blättern der Weide auch als „Weidenblattlarve“ bezeichnet. An den Küsten angekommen sind sie umgebildet zu kleinen "Miniaalen" und noch vollkommen unpigmentiert. Sie nennen sich mit einer Länge von ca. 7 cm nun Glasaal. In diesem Stadium werden sie häufig schon das erste Mal "befischt" und landen meist als Delikatesse nicht nur auf chinesischen oder japanischen sondern leider auch auf europäischen Tellern! Diese Befischung spielt sich bereits im "Tonnen-Bereich"ab! Diejenigen Aale, die es dann noch vorbei an Kraftwerken und deren Turbinen, nicht verbauten Gewässerabschnitten und nicht zuletzt auch noch vorbei an den Kormoranen schaffen wieder in die oberen Flusssysteme zu gelangen, wachsen dann wieder zu größeren Gelb- und Blankaalen heran, bevor der Kreislauf von Neuembeginnt.

Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass der Europäische Flussaal wahrlich kein einfaches Leben bzw. Lebensbedingungen vor sich hat. Und dabei wäre es gar nicht so schwer etwas mehr für den Umweltschutz zu tun ohne auf Lebensqualität zu verzichten oder finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Da wäre zum Beispiel die in meinen Augen viel zu sehr voneinander getrennte Politik zwischen der Landwirtschaft und der Fischerei bzw. der Gewässerökologie. Und dabei sind häufig beide Parteien aufeinander angewiesen. Doch wir haben über Jahrzehnte fast sämtliche Gewässer in unserem schönen Land mit aller Macht begradigt und ihnen unseren Verlauf aufgezwungen. Ja, sie regelrecht zu Kanälen und Bewässerungsrinnen umfunktioniert und degradiert. Die Folgen sind vielen von uns nur zu gut bekannt. Sinkende Populationen sämtlicher Bewohner dieser Habitate und ebenso die Artenverarmung der Flora und Fauna hat dies nach sich gezogen. Ein Ende dieses Dilemmas ist noch nicht in Sicht. Jährlich verschwinden immer wieder erneut Arten, die früher jedes Kind kannte. Umso schlimmer empfinde ich es, wenn es schon real existierende Renaturierungspläne wie von der biota (www.institut-biota.de) im Falle des Rögnitzabschnittes zwischen Niendorf a. d. Rögnitz und dem kleinen Ort Schlonsberge bei Woosmer gab. Hier lag ein voll finanzierbares und wissenschaftlich fundiertes Projekt vor, welches letztendlich an den Einwänden einiger weniger Anrainer und Bewirtschafter zu scheitern droht. Denn seit Vorstellung des Projektes durch die Ingenieure von biota in 2011 ruht der See. Ausführliche Informationen hierzu siehe auch den Bericht aus der Schweriner Volkszeitung vom 07. Juli 2011 (https://www.svz.de/nachrichten/uebersicht/mehr-natuerlichkeit-fuer-die-roegnitz-id4369941.html). Hier sollten die zuständigen Behörden und Ministerien über ihren Schatten springen und sich mit mehr Nachdruck im Sinne Aller durchsetzen und die Sache voran treiben um endlich den ersten Spatenstich für die Deichverlegung setzen zu können. Es geht schließlich um uns Alle und nicht nur um eine Handvoll privater Grundstücksbesitzer,Pächter, Jäger oder Landwirte, die ihr Land ja nicht verschenken, sondern lediglich auch im eigenen Interesse einlenken und mitmachensollten.

Ein nachhaltiger Besatz, wie in diesem Falle mit jungen Aalen, bringt auf die Dauer nur etwas, wenn sich auch etwas in dem gesamten Management der Agrar- und Fischereipolitik ändert, ja in unserem Denken. Auch hier ist ein überregionales Handeln, auch und gerade zwischen den Bundesländern, unerlässlich. Denn ein wandernder Fisch kennt keine Landesgrenzen. Nicht zuletzt werden immer noch viel zu viele Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausgebracht, die immer wieder für Fischsterben in Gewässern sorgen und in unser Grundwasser eindringen. Wir können nicht länger so tun als sei alles unendlich! Jetzt haben wir endlich ein komplett durchgängiges Fließsystem von der Rögnitz (Stichwort FAA Niendorf Fertigstellung und Übergabe in 2016) über Sude und Elbe bis hin zur Nordsee geschaffen. Nun sollten wir den letzten Schritt der wirklichen Renaturierung zumindest in Teilbereichen der Rögnitz auch noch gehen und dieses Projekt der Biota unbedingt umsetzen!

Der abgewachsene Aal ist nach wie vor ein begehrter Speisefisch und wird berufsmäßig, wie auch von uns Angelfischern gerne als Delikatesse dem Wasser entnommen. Durch seinen hohen Fettgehalt ist er ebenso zum Räuchern wie auch als Brataal sehr begehrt. Doch bei all seiner Begehrtheit sollten wir vielleicht auch einmal bei uns selbst anfangen und unseren Konsum mäßigen, um so dem einen oder anderen Aal eine Chance zu geben. Eine Chance um den Bestand der Art zu sichern und auch noch der Generation nach uns den Fang und den Anblick dieser wunderschönen und spektakulären Kreatur zu ermöglichen! Dies meint zumindest Angelfischer und Naturschützer Ulrich Heeren.

Ulrich Heeren,

AV „Rögnitztal Tewswoos“ e. V.

 

Weitere Fotos dieser Aktion des AV Teewswoos und ausführliche Informationen zum Aalbesatz des LAV finden Sie in der Verbandszeitung „angeln in Mecklenburg-Vorpommern“ Ausgabe 3-2017 (Herausgabe 15.09.2017)

Ulrich Heeren AV „Rögnitztal Tewswoos“ e. V.


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