Aktuelle Mitteilungen des Landesanglerverbandes
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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Stellungnahme Landesanglerverband M-V zum geforderten Aalfangverbot

Görslow, den 20.11.2017

Stellungnahme Landesanglerverband M-V

Bzgl:   Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern (2018) vom 07.11.2017

Im Artikel 12 (1) a) der oben genannten Verordnung wird ein Fangverbot für den Europäischen Aal gefordert. Wörtlich heißt es: Die nachstehenden Arten dürfen von Fischereifahrzeugen der Union nicht gefangen, an Bord behalten, umgeladen oder angelandet werden:

a)    Europäischer Aal (Anguilla anguilla) mit einer Gesamtlänge von 12 cm oder mehr in den Unionsgewässern des ICES-Gebiets und in der Ostsee.

Der Landesanglerverband M-V e.V. lehnt diesen Vorschlag ab.

Der Verordnungsvorschlag bezieht sich auf den ICES Advice zum Europäischen Aal. Darin steht: „... wenn für den Europäischen Aal das Vorsorgeprinzip angewendet wird, sollten alle anthropogenen Einflüsse (z. B. Freizeitfischerei und gewerbliche Fischerei auf allen Ebenen, Wasserkraftwerke, Pumpstationen, Verschmutzung), durch die die Entstehung und Abwanderung von Blankaalen eingeschränkt wird, auf oder so nahe wie möglich an Null reduziert werden. Trotz der bekannten vielfältigen Faktoren fokussiert der Kommissionvorschlag nur auf die Fischerei im marinen Bereich. Im marinen Bereich könnte bspw. auch der Einfluss durch den Eintrag von Schadstoffen oder der Kormoranfraß diskutiert werden, um dem weiter gespannten ICES Advice, der alle bekannten Einflussgrößen benennt, gerecht zu werden. Ein singulärer Zusammenhang zwischen Fischerei und Aalrückgang ist wissenschaftlich nicht haltbar.

In der Begründung zum Kommissionsvorschlag heißt es, dass alle gezielten Fischereien auf Blankaale eingestellt werden sollten, bis sich der Zustand des Bestands klar verbessert hat. Diese Forderung findet man im ICES Advice jedoch nicht. Darin steht vielmehr, dass die zur Verfügung stehenden Daten unvollständig sind und das Verständnis der bestandsdynamischen Beziehung nicht ausreicht, um die Auswirkungen eines Fangs (im Glas-, Gelb- oder Blankaalstadium) auf die Fortpflanzungskapazität des Aalbestands abzuschätzen.

Der Umsetzungsstand des deutschen Aalmanagementplans wurde 2015 in dem an die EU übermittelten Umsetzungsbericht ausführlich dargestellt. Bezogen auf den gesamtdeutschen Raum wird die geforderte Abwanderungsrate von 40 % erreicht. Wie auch dem aktuellen ICES Advice zum Aal zu entnehmen ist, steht eine Evaluierung der letzten eingereichten Umsetzungsberichte durch die EU noch aus. Jedoch sollte der gegenwärtige Umsetzungsgrad der Aalverordnung in den einzelnen Mitgliedsstaaten eine wesentliche Bemessungsgröße bei Ableitung weitergehender und differenzierter Managementempfehlungen durch die Kommission sein.

Die Wichtigkeit mariner Gewässer als Aufwuchshabitate für den Aal wurde bei der Entwicklung des deutschen Aalmanagementplans berücksichtigt. Im Einzugsgebiet Schlei/Trave und Warnow/Peene wurden bspw.  gesonderte Managementpläne für den Küstenbereich entwickelt und umgesetzt. Solche bereits getroffen und nachweislich wirksamen Maßnahmen im marinen Bereich finden keine Anerkennung durch die Kommission.

Der Aalfang in den deutschen Meeresgewässern ist seit dem Zeitraum vor Inkrafttreten der Aal-VO bereits um mehr als 50 % gesunken. Auch der Fischereiaufwand ist deutlich zurückgegangen. Durch die hier vorgeschlagene Regelung sind die Fischer des Ostseeraumes besonders betroffen, da besonders dort durch die geografischen Gegebenheiten eine Fischerei auf Aal in marinen Gewässern stattfindet. Gerade für die Fischereibetriebe der kleinen Küstenfischerei ist der Aalfang von großer Bedeutung, da mit dem Aal durch Veredelung und Direktvermarktung gute Erlöse erzielt werden. In Anbetracht der aktuellen Quotensituation beim Dorsch und Hering würde ein Aalfangverbot den Fortbestand der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten traditionellen kleinen Küstenfischerei massiv bedrohen.

Nach offiziellen Angaben beläuft sich der Aalfang in den deutschen Küstengewässern auf etwa 40 t pro Jahr, wobei im deutschen Küstenbereich primär Gelbaale angelandet werden. Im Vergleich zu anderen Einflussgrößen im Binnen- oder Küstenbereich ist der Einfluss Aalentnahme im Küstenbereich auf den Aalbestand als gering einzustufen. So wird im 2015er Umsetzungsbericht die Wasserkraft bedingte Aalmortalität mit 262 t pro Jahr beziffert. Angesichts solcher erheblichen Differenzen bezüglich der Wirkung auf den Bestand ist es fraglich, warum die bereits regulierte Küstenfischerei mit einem relativ kleinen Einfluss auf die bilanzierte Gesamtabwanderung extrem beschränkt werden soll. Der Effekt eines Fangverbots im Küstenbereich auf die Steigerung der gesamtdeutschen Abwanderung kann als gering eingeschätzt werden. Bezüglich der biologischen Effekte eines Aalfangverbots im Vergleich zu anderen bekannten Einflussgrößen (Wasserkraft) stellt sich die Frage, inwieweit das Gleichbehandlungsprinzip bei der Implementierung von Erhaltungsmaßnahmen für den Aal auf politischer Ebene verfolgt wird. Vor dem Hintergrund des kritischen Zustands des Aals sollte das Bestreben erkennbar sein, den Einfluss aller bekannten Faktoren zu minimieren anstatt alleinig und dabei nicht zielführend auf das Verbot der Fischerei zu fokussieren.

Das geplante Verbot trifft nur die Gelb- und Blankaalfischerei im Küstenbereich. Die Glasaalfischerei ist davon unbenommen. Diese ist essentiell, um den Besatz für die Aalmanagementpläne zu gewährleisten. Folgt man dem Vorsorgeansatz müsste die Glasaalfischerei für den menschlichen Konsum und die Aalproduktion in Aquakultur verboten werden. In beiden Fällen gehen die gefangenen Glasaale dem Bestand und damit der Reproduktion verloren.

Allerdings ist es fraglich, ob die Bereitschaft auch im Binnenbereich weiter im bisherigen Umfang in Aalbesatz zu investieren und als Partner des Aalmanagements zu agieren, erhalten bleibt, denn der Vorschlag führt zu einer Verunsicherung sowohl der Betriebe als auch der Angler. Besatzmaßnahmen sind aber die tragende Säule der Managementpläne zum mittelfristigen, nachhaltigen Wiederaufbau der Bestände. Die wissenschaftliche Begleitung der bisherigen Maßnahmen einschließlich Besatz zeigt, dass die verabschiedeten Maßnahmenpakete als zielführend anzusehen sind. Bereits am Tag der Veröffentlichung des Kommissionsvorschlages mehrten sich die Stimmen, dass ein Aalfangverbot im Binnenbereich nach dem marinen Bereich nur eine Frage der Zeit sei und somit die Perspektive die Fortsetzung der gemeinsam durchgeführten flächendeckenden Besatzmaßnahmen wegfällt.

Ein Verbot des Aalfangs gefährdet somit die Fortsetzung der durch die Europäische Union bestätigten Managementpläne in Deutschland und Europa.

Aus Sicht des Landesanglerverbandes M-V e.V. sollte der eingeschlagene Weg des Aalmanagements in M-V einschließlich der Maßnahmen zur Reduzierung des fischereilichen Einflusses fortgesetzt werden. Statt Fangverbote auszusprechen sollte es auf europäischer Ebene Vorrang haben, die erheblichen illegalen Glasaalexporte zu stoppen. Aber auch andere Mortalitätsquellen wie die Wasserkraftnutzung oder der steigende Kormoranbestand sollten im Sinne des Erhalts des Aals gesenkt werden. Diese Forderungen stehen in Übereinstimmung mit der Empfehlung des ICES.

LAV M-V e.V.


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