Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Arbeit im Fischereiausschuss des Europäischen Parlaments wird derzeit bestimmt von mehreren „Baustellen“: den Verhandlungen zur Fischereikontrollverordnung, dem Roose-Bericht zur Quotenzuteilung in den Mitgliedstaaten und der Situation beim Aal.

Bei der Fischereikontrollverordnung finden Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission statt. Mit der neuen Fischereikontrollverordnung soll die Einhaltung der Gemeinsamen EU-Fischereipolitik (GFP) besser gewährleistet werden. Das Parlament hatte sich schon letztes Jahr mit einem Plenarbeschluss auf seine Version einer effizienten Fischereikontrollverordnung geeinigt. Hierzu zählen: das „Tracking“ von Fischereifahrzeugen, die elektronische Meldung von Fängen und die Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Fischereierzeugnissen. Im Gegensatz zum Parlament konnten die Mitgliedstaaten im Rat lange keinen gemeinsamen Standpunkt finden. So konnten die Verhandlungen erst mit großer Verzögerung beginnen. Knackpunkte aus deutscher Sicht sind u.a. die erlaubte Menge beim Bordverkauf von Fischerbooten und die Kameraüberwachung CCTV.

Beim sogenannten „Roose-Bericht” geht es um die Quotenzuteilung der Mitgliedstaaten im Rahmen von Art. 17 der gemeinsamen Fischereipolitik. Bei diesem Bericht folgte der Fischereiausschuss meinen Änderungsanträgen zu einer genaueren Datenerhebung in der EU. Wir müssen besser verstehen wer, wo, was fängt. Auch die Angelszene muss bereit sein Daten bereitzustellen. Das hat nichts mit Kontrolle oder Beschneidung zu tun. Das ist aktive Mitarbeit und entspricht den Forderungen der Freizeitfischerei nach Gleichberechtigung im Rahmen der GFP. Beim Roose-Bericht handelt es sich zwar „nur“ um einen Initiativbericht, ohne rechtliche Auswirkungen, trotzdem kommt ihm derzeit große Aufmerksamkeit im Ausschuss zu. Er gibt einen Vorgeschmack auf kommende Entwicklungen.

Beim Aal haben in den vergangenen Monaten die ICES-Fangempfehlungen für berechtigtes Aufsehen und Besorgnis gesorgt. Es war ein komplettes Fangverbot im Gespräch. Ich habe hierzu klargestellt, dass das zu kurz greift. Deutsche und skandinavische Angler unterstützen seit vielen Jahren aktiv die Maßnahmen beim Aal-Besatz. Ein komplettes Ende der Aal-Fischerei würde auch das Ende dieser Maßnahmen bedeuten. Ich begrüße daher, dass die Kommission schlussendlich vorgeschlagen hat den Empfehlungen nicht zu folgen und es bei der Festlegung eines dreimonatigen Fangstopps während der Hauptwanderungszeit der geschlechtsreifen Aale zu belassen.

Im Europäischen Parlament gibt es weitere gute Initiativen zum Aal: unter der Schirmherrschaft einiger Abgeordneter des Fischereiausschusses fand vor ein paar Wochen eine Veranstaltung zum Aal („Eel-Deal“) statt. Angler und Wissenschaftler aus ganz Europa tauschten ihr Wissen aus und erörterten aktuelle Probleme. Hierzu zählen der Kormoran und der Glasaal-Schmuggel. Beim Glasaal muss die Produktionskette lückenlos überwacht werden. So muss garantiert werden, dass nur Tiere aus legalem Ursprung in den Handel gehen. Diese Transparenz ist für die Kunden wichtig. Strengere Aal-Quoten oder ein komplettes Fangverbot würden den Glasaal-Schmuggel nur zusätzlich anheizen. Wir brauchen ein Bündel anderer Maßnahmen um dem Aal zu helfen: die Renaturierung von Flüssen und Gewässern und die Entfernung alter nicht mehr genutzter Barrieren.

Soweit ein kurzer Überblick über die aktuelle Arbeit des Fischereiausschusses. Gesamteuropäische Antworten sind bei diesen Themen dringend notwendig und am zielführendsten.

Niclas Herbst

Mitglied des Europäischen Parlaments