Anpacken statt nur darüber reden – der 6. Naturschutzpreis des Landesanglerverbandes Mecklenburg-Vorpommern würdigt praktischen Naturschutz

Naturschutz beginnt nicht immer mit großen Konzepten, dicken Aktenordnern oder Schlagzeilen. Manchmal beginnt er ganz einfach damit, dass jemand hinschaut, ein Problem erkennt und sagt: „Da müssen wir etwas tun.“

Genau darum ging es beim 6. Naturschutzpreis des Landesanglerverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Unter dem Motto „Am Wasser – für das Wasser: Praktischer Naturschutz für aquatische Ökosysteme“ waren Angelvereine und Initiativen aufgerufen, Projekte und Projektideen einzureichen. Insgesamt standen 10.000 Euro Preisgeld zur Verfügung.

Dass die Auszeichnung am Ende nicht ganz im ursprünglich vorgesehenen Zeitraum vergeben werden konnte, hat dabei eine durchaus sympathische Ursache: In unseren Angelvereinen wird viel gemacht – aber nicht unbedingt viel darüber geschrieben. Oder, um es etwas salopper zu sagen: Anpacken ja, darüber reden vielleicht, aufschreiben … im Leben nicht.

Umso erfreulicher war dann die doch große Zahl engagierter Bewerbungen. Im Dezember 2025 konnte das Präsidium des LAV MV als Jury schließlich drei Projekte für die Hauptpreise auswählen. Ergänzt wurde die Auszeichnung durch einen Sonderpreis. Alle Projekte sind unterschiedlich, doch sie verbindet ein gemeinsames Ziel: Lebensräume erhalten, Natur erlebbar machen und Verantwortung für unsere Gewässer und die darin lebenden Arten übernehmen.

Ein Sonderpreis für eine besondere Idee

Mit einem Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro wurden Ben Ruckick und der Peene-Ost e.V. Groß Plasten/Kargow für die Projektstudie „Sanierung des Devener Hofsees“ ausgezeichnet.

Das Projekt beeindruckte die Jury nicht zuletzt wegen des Alters seines Initiators. Sich bereits in so jungen Jahren so intensiv mit einem konkreten Problem auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen, verdient Anerkennung. Der Sonderpreis soll deshalb nicht nur die bisherige Arbeit würdigen, sondern zugleich Mut machen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und die Projektziele mit fachlicher Unterstützung des LAV MV weiterzuverfolgen.

2.000 Euro für „Natur erleben – Schutz verstehen“

Der Sportanglerclub Güstrow e.V. erhielt 2.000 Euro für seine Initiative „Natur erleben – Schutz verstehen“.

Gemeinsam mit der Stadt Güstrow, dem Tourismusverband, dem NABU Güstrow und der BUND Regionalgruppe soll der Güstrower Inselsee zu einem Ort werden, an dem Natur nicht nur betrachtet, sondern verstanden werden kann. Infotafeln, Schulführungen und Aktionstage sollen über Artenvielfalt, Gewässerschutz und eine nachhaltige Nutzung informieren. Besonders überzeugend ist dabei der langfristige Ansatz: Es geht ausdrücklich nicht um eine einmalige Aktion, sondern um ein auf viele Jahre angelegtes Konzept. Dass dafür so unterschiedliche Partner zusammengebracht werden konnten, macht das Projekt zusätzlich bemerkenswert.

3.000 Euro für den Alt Kariner See

Über 3.000 Euro durfte sich der Kreisanglerverband Landkreis Rostock e.V. freuen. Der erst 2025 vom Landesanglerverband MV als Pachtgewässer übernommene Alt Kariner See soll ökologisch aufgewertet und zugleich für die Umweltbildung genutzt werden. Dafür ist eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen vorgesehen: Totholzbündel im Gewässer, Hecken und eine Benjeshecke, Fledermauskästen sowie Lesesteinhaufen sollen die Strukturvielfalt verbessern und zusätzlichen Lebensraum schaffen. Ergänzend sind Schautafeln zum Gewässerschutz geplant. Das Projekt zeigt dabei sehr schön, was eine Übernahme von Gewässern durch die Anglerschaft bedeuten kann: Es geht eben nicht nur darum, ein weiteres Angelgewässer zur Verfügung zu haben. Es geht auch um die Chance, Verantwortung zu übernehmen, Lebensräume aufzuwerten und Menschen für den Schutz unserer Gewässer zu sensibilisieren.

5.000 Euro für langjährigen Einsatz

Der mit 5.000 Euro höchstdotierte Preis ging an den Universitätsangelsportverein Greifswald e.V. für die Betreuung des Flächennaturdenkmals „Laubfroschtümpel Scharnhorststraße“. Seit dem 1. November 2019 kümmern sich die Universitätssportangler ehrenamtlich um das Schutzgebiet. Damit steht hinter diesem Projekt kein guter Vorsatz und keine schöne Idee auf dem Papier, sondern bereits seit Jahren gelebter praktischer Naturschutz.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, der alle ausgezeichneten Projekte miteinander verbindet: Naturschutz wird nicht irgendwann gemacht, wenn Zeit dafür ist. Er wird gemacht, weil Menschen Verantwortung übernehmen.

Naturschutz braucht Menschen, die machen

Natürlich konnten nicht alle Bewerbungen im Rahmen der Preisverleihung ausgezeichnet werden. Das macht ihren Wert aber nicht geringer. Denn hinter jeder Bewerbung stehen Menschen, die ihre Freizeit investieren, Ideen entwickeln und sich um unsere Gewässer und ihre Lebensräume kümmern.

Die Preisträger stehen deshalb stellvertretend für viele Ehrenamtliche in Mecklenburg-Vorpommern, die häufig weitgehend unbeachtet Großartiges leisten. Sie zeigen, dass Naturschutz nicht ausschließlich Aufgabe von Behörden, Verbänden oder Politik ist. Naturschutz lebt davon, dass Menschen nicht zuerst fragen, wer zuständig ist, sondern selbst Verantwortung übernehmen.

Und vielleicht passt deshalb kaum ein Satz besser zum 6. Naturschutzpreis des LAV MV als dieser:

Naturschutz beginnt mit Aufmerksamkeit. Er lebt von Verantwortung. Und am Ende braucht es Menschen, die einfach anfangen und anpacken.

Dafür gebührt den Preisträgerinnen und Preisträgern – und ebenso all jenen, deren Projekte diesmal nicht ausgezeichnet wurden – unser herzlicher Dank.

Liane Janssen,

Vizepräsidentin für Umwelt-, Natur- und Artenschutz