Am Strand von Hohe Düne setzten MV’s Umweltminister Till Backhaus (SPD) und LAV-Präsident Bernd Dickau im Juli 40 Baltische Störe aus / Langfristiges Projekt der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei begeistert auch junge Angler.

Bernd Dickau, LAV Präsident (li) und Minister Backhaus setzen gemeinsam Störe in ide Ostsee. Foto: Frank Söllner, LAV

„Diese urtümlichen Fische sind einfach faszinierend. So nah bin ich ihnen noch nie gekommen“, freut sich der Sanitzer Kian Löwenhagen (17). Mit seinem Reppeliner Angelfreund Henrik Hagen (16) trägt er an diesem 13. Juli eine weiße Wanne an den Ostsee-Strand des Rostocker Stadtteils Hohe Düne: Vier jeweils etwa 50 cm lange Baltische Störe tummeln sich im Wasser des Bottichs. Die Schüler des Gymnasiums Sanitz (Landkreis Rostock) gehören zu den Akteuren, die an diesem Tag insgesamt 40 dieser als „lebende Fossilien“ geltenden Knochenfische ins Meer einsetzen.

Die Besatzaktion lockte sofort auch Badegäste in Hohe Düne an. Foto: Frank Söllner, LAV

Die ein Jahr alten und etwa 1,2 Kilo schweren Tiere, die Markierungen an der Rückenflosse tragen, stammen aus Europas einziger zuverlässiger Zuchtstation in Born auf dem Darß. Betrieben wird sie von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA MV), die eine Schlüsselrolle bei der Wiederansiedlung des Fisches spielt.

Die seit mehr als 200 Millionen Jahren existierenden Wanderfische galten in der Ostsee seit den 70er Jahren als ausgestorben. „Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland, das die Störe in die Ostsee zurückbringt“, erklärt Umweltminister Till Backhaus (SPD). Er verweist darauf, dass in Born bisher unter anderem mehr als 11,3 Millionen Larven erbrütet wurden. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Landesanglerverbandes (LAV), Bernd Dickau, watet er in das kühle Wasser. Vorsichtig entlassen sie die ersten der Jungfische in den neuen Lebensraum.

„Unser Augenmerk liegt vor allem auf einer verbesserten Durchgängigkeit der Flüsse. Sie spielt für die Fortpflanzung nicht nur der Störe, sondern zum Beispiel auch der Meerforellen, eine große Rolle. Hier haben wir auch im Nordosten noch viel Arbeit vor uns“, betont Präsident Dickau. Die Laichplätze der Störe befinden sich in tiefen Flussabschnitten mit viel Strömung und kiesig-steinigem Untergrund.

Die Wiederansiedlung der bis zu vier Meter langen und 600 Kilo schweren Fische mit dem Rüsselmaul, die gut 100 Jahre alt werden können, ist ein aufwändiges Unterfangen. Allein seit 2020 flossen rund drei Millionen Euro – rund 70 Prozent der Kosten trägt die EU und 30 Prozent MV – in laufende Projekte.

„Baltische Störe werden erst nach zehn bis 20 Jahren geschlechtsreif“, erklärt Christin Höhne. Die Sachgebietsleiterin Aquakultur des LFA MV ergänzt, dass weniger als ein Prozent der ausgesetzten Larven überleben. Und doch hat dieser Fisch mit der ausgezogenen Schnauze und vier Barteln als sogenannte Schirmfischart eine große Bedeutung, so die Expertin. Denn wenn ein großer Stör den Laichplatz erreicht, können dies auch andere kleine Wanderfische.

2005 und 2006 wurden erste Laichtiere aus Kanada importiert. 2010 gelang die Vermehrung in Born. „Wir kooperieren erfolgreich mit Polen, Litauen, Lettland, Schweden und Estland“, so Höhne. Die aktuell 38 ausgewachsenen Exemplare in Born bringen bereits teilweise weit mehr als 100 Kilo auf die Waage.

„Beobachtungen zeigen, dass der streng geschützte Stör mit den sich rasch verändernden Bedingungen in der Ostsee, wie der zunehmenden Erwärmung, recht gut klarkommt“, verdeutlicht LFA-Leiter Gerd-Michael Arndt. Zahlreiche Rückmeldungen gebe es aus allen Bereichen des südwestlichen Ostseeraums. Wie sich fortschreitender Sauerstoffmangel im Meer auswirke, bleibe abzuwarten, so Arndt. Für die Entwicklung einer robusten Stör-Population in der Ostsee indes veranschlagt der Biologe einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren.

Am Strand von Hohe Düne hat indes das Aussetzen der kleinen Störe auch das Interesse vieler Badegäste geweckt. „Die 40 Tiere sind sehr gut in das von einem kräftigen Nordostwind aufgewühlte Ostseewasser gestartet“, zeigt sich am Ende der Besatzmaßnahme LFA-Techniker Lutz Krenkel zufrieden.

Volker Penne, LAV